Europäische Hornisse / Deutsche Hornisse (Vespa crabro)
Die Europäische Hornisse (Vespa crabro, Linnaeus 1758) – im Volksmund oft als „Deutsche Hornisse" bezeichnet – ist die einzige in Deutschland heimische Hornissenart. Sie gehört zur Familie der Faltenwespen (Vespidae) und ist das größte einheimische Stechinsekt Deutschlands.
Merkmale der Europäischen Hornisse
- Farbe: Braungelb mit rotbraunem Kopf und gelbem Hinterleib mit braunen Querstreifen. Deutlich wärmer und weniger kontrastreicher als Wespen.
- Größe: Königin 25–35 mm, Arbeiterinnen 18–24 mm, Drohnen 21–28 mm.
- Nest: Aus zerkautem Holz (Papierwaben), graubraun. Standort meist in Baumhöhlen, Mauerhohlräumen, Dachböden oder Rolladenkästen. Nie im Erdreich.
- Volksgröße: 400–700 Individuen bei Vollausbau im Sommer.
- Saison: Aktiv von April bis Oktober/November.
- Nahrung: Insekten (Fliegen, Mücken, Schmetterlinge, andere Wespen), Baumsäfte, reife Früchte.
- Schutzstatus: Streng geschützt nach § 44 BNatSchG.
Verhalten und Charakter
Die Europäische Hornisse ist deutlich friedlicher als die Gemeine Wespe. Sie sticht selten spontan und ist gegenüber Menschen wenig aggressiv, solange das Nest in Ruhe gelassen wird. Ihr Summen klingt tief und wummend – was manchen Menschen Angst macht, obwohl die Tiere dabei meist einfach Nahrung sammeln oder fliegen.
Hornissen sind nachtaktiv und können auch nach Einbruch der Dunkelheit fliegen. Sie werden von Licht angezogen – offene Fenster mit Licht in der Nacht können Hornissen ins Haus locken.
Ein einziges Hornissenvolk vernichtet täglich bis zu 500 Gramm Insekten – darunter viele Schädlinge wie Bremsen, Mücken und Raupen. Hornissen sind wichtige Helfer im Ökosystem und sollten geschützt, nicht bekämpft werden.
Asiatische Hornisse (Vespa velutina)
Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax, du Buysson 1905) ist eine invasive Art aus Südostasien, die sich seit ihrer unbeabsichtigten Einschleppung nach Frankreich um 2004 rasant in Westeuropa ausbreitet. In Deutschland wurde sie ab 2014 zunehmend nachgewiesen und breitet sich von Süden und Westen aus.
Merkmale der Asiatischen Hornisse
- Farbe: Überwiegend schwarz-braun (nicht braun-gelblich wie die Europäische Hornisse). Charakteristisch: ein orangegelbes Segment am Hinterleib (4. Tergit). Beine gelb an der Spitze.
- Größe: Kleiner als die Europäische Hornisse – Königin ca. 25–30 mm, Arbeiterinnen 15–20 mm.
- Nest: Birnenförmiges Papiernest, typischerweise sehr hoch in Baumkronen (5–15 m), oft erst bei Laubfall sichtbar. Seltener in Gebäuden.
- Volksgröße: Bis zu 2.000–6.000 Tiere bei Hochsaison – deutlich größere Völker als die Europäische Hornisse.
- Hauptgefahr: Für Honigbienen, nicht für Menschen. Asiatische Hornissen lauern vor Bienenstöcken und töten Bienen im Flug.
Asiatische Hornisse gefährlich für Menschen?
Für gesunde Menschen ist die Asiatische Hornisse nicht gefährlicher als die Europäische Hornisse. Der Stich ist schmerzhaft, aber für Nicht-Allergiker ungefährlich. Sie ist nicht aggressiver als die heimische Art, solange das Nest nicht gestört wird. Berichte über besondere Gefährlichkeit für Menschen sind Mythen.
Allergiker sollten bei allen Hornissenarten vorsichtig sein und ein Notfallset bei sich tragen.
Was tun bei Asiatischer Hornisse?
Die Asiatische Hornisse ist eine invasive Art. Kontaktieren Sie bei einem Fund immer zuerst:
- Untere Naturschutzbehörde
- NABU oder BUND in Ihrer Region
- Einen zertifizierten Schädlingsbekämpfer
Sichten Sie eine Asiatische Hornisse, melden Sie die Beobachtung bei Vespawatch.de oder iNaturalist – das hilft der Forschung bei der Ausbreitungsverfolgung.
Falls Sie vermuten, eine Asiatische Hornisse gesehen zu haben: Machen Sie wenn möglich ein Foto und melden Sie die Sichtung bei Vespawatch.de oder der NABU-App. Die Ausbreitung wird aktiv überwacht.
Japanische Riesenhornisse (Vespa mandarinia)
Die Japanische Riesenhornisse – auch „Mörderhornisse" genannt – ist die größte Hornissenart der Welt mit bis zu 5 cm Körperlänge. Sie lebt in Ost- und Südostasien und ist in Deutschland nicht heimisch. In Europa gibt es keine etablierte Population.
Wer eine ungewöhnlich große Hornisse sieht, hat es fast immer mit der heimischen Europäischen Hornisse (Königin) zu tun – nicht mit der Japanischen Riesenhornisse.
Vergleichstabelle aller Arten
| Merkmal | Europäische Hornisse | Asiatische Hornisse | Japanische Riesenhornisse |
|---|---|---|---|
| Wissenschaftl. Name | Vespa crabro | Vespa velutina | Vespa mandarinia |
| Größe (Arbeiterin) | 18–24 mm | 15–20 mm | 35–45 mm |
| Größe (Königin) | 25–35 mm | 25–30 mm | 45–55 mm |
| Farbe | Braun-gelblich | Schwarz-braun, orange Segment | Orange-schwarz, breites Gesicht |
| In Deutschland | Heimisch (seit immer) | Invasiv (seit ~2014) | Nicht vorhanden |
| Neststandort | Baumhöhlen, Gebäude | Hoch in Baumkronen | Erdnester (Asien) |
| Gefährlichkeit (Mensch) | Gering | Gering | Hoch (in Asien) |
| Schutzstatus D | Streng geschützt | Invasive Art, Meldepflicht | Nicht relevant |
Asiatische Hornisse erkennen – Bilder & Unterschied
Die zuverlässigsten Merkmale zur Unterscheidung Asiatische vs. Europäische Hornisse:
Körperfarbe prüfen
Europäische Hornisse: warm braun-gelblich. Asiatische Hornisse: deutlich dunkler, fast schwarz-braun. Sehr kleines Tier unter 2 cm: eher Arbeiterin der Asiatischen Hornisse.
Orangegelbes Segment suchen
Die Asiatische Hornisse hat ein auffällig orangegelbes Segment am Hinterleib (das 4. Tergit). Die Europäische Hornisse hat gelbe und braune Querstreifen über mehrere Segmente.
Beine beachten
Die Asiatische Hornisse hat an den Beinen gelbe Enden (Tarsalsegmente) auf dunklem Grund. Bei der Europäischen Hornisse sind die Beine eher gelbbraun durchgehend.
Fotos machen und melden
Im Zweifel: Foto aus sicherem Abstand machen und bei Vespawatch.de oder der NABU-App hochladen. Experten bestimmen die Art dann sicher.